Wanderfreizeit Nationalpark Hainich

Wanderfreizeit im Nationalpark Hainich vom 27.04. bis 01.05.2017

Ende April fahren 20 Wanderinnen und Wanderer mit PkW'en gen Süden, um in und um den Nationalpark Hainich die 33. und vorerst letzte Frühjahrsfreizeit zu verbringen. Die Hinfahrt führt uns über den Harz, durch Nordhausen und vorbei an der Musik- und Bergstadt Sondershausen zum ehemaligen Jagdschloss „Zum Possen“, eingebettet in einem Freizeit- und Erlebnispark. Wir besteigen den größten Fachwerkturm Europas, genießen den weiten Rundblick in alle Himmelsrichtungen, spazieren vorbei am Bärenzwinger und Tiergehegen und begegnen dabei einer Schar frei laufender Frischlinge. In Ebeleben, unserem nächsten Ziel, wird es noch einmal tierisch. In einem der kleinsten und einzigartigsten Museen Deutschlands, dem Eselmuseum, bestaunen wir die vielen Exponate aus dem Leben der liebenswerten Langohren und kraulen die beiden Eseldamen „Anna“ und „Gyppsie“. Weiter geht die Fahrt nach Bad Langensalza, eines der historisch bedeutendsten Städte im Thüringer Becken. Dort erleben wir zunächst im Japanischen Garten fernöstliche Glückseligkeit und erfreuen uns neben vielem Anderen an der Ästhetik meisterhaft gestalteter Bonsai-Kunstwerke. Der anschließende Rundgang führt uns durch die aufwendig sanierte Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und sonstigen Sehenswürdigkeiten. Wir kommen vorbei an vielen Parks und Themengärten, mit denen sich der Ort einen Namen als blühendste Stadt Europas gemacht hat. Dann wird es Zeit zur Weiterfahrt, denn wir werden in unserem Quartier, dem Waldgasthof Hainichhaus in Kammerforst, bereits erwartet.

Nach der Zimmerbelegung erfahren wir bei einer unterhaltsamen Führung noch die Geschichte des uralten und sagenumwobenen Klingbrunnens neben dem Hainichhaus, blicken beeindruckt in diesen mit 65 m wohl einen der tiefsten Brunnen Deutschlands und hören den sonderbaren Klang, der ihm seinen Namen gab. Beim anschließenden Abendessen im wunderschönen Wintergarten erfreuen wir uns an der phantastischen Panorama-Aussicht weit in das Thüringer Becken.

Am nächsten Tag lernen wir auf Teilstücken der vielen verschiedenartigen Wanderwege den Nationalpark kennen. Nachdem wir einige PkW'en am Endpunkt der Wanderung geparkt haben, gehen wir zunächst vom Gasthof aus am Waldrand entlang und dann einen lang gezogenen Aufstieg, vorbei an dem als Sühnekreuz errichteten Magdkreuz, hinauf auf den Kamm des Hainich. Der auf diesem verlaufende Rennstieg begeistert uns durch die vielschichtige Natur. Die wertvollen Buchenwaldrelikte mit mächtigen Baumveteranen jeder Größe und in skurrilen Gestalten, sowie mit Moosen, Flechten und Pilzen besetztes Totholz in ihrer einzigartigen Vielfalt haben dem Hainich zurecht den Adelstitel „Nationalpark“ eingebracht. Aber auch geschichtsträchtige Orte, die an frühere Herbergen und wüst

gefallene Siedlungen erinnern, werden passiert. Historische Steinkreuze und Grenzsteine, sehenswerte originelle Wegweiser, frühgeschichtliche Bodendenkmäler liegen am Weg. Den Abschluss der Wanderung bildet der Rundgang auf dem Germanischen Kultpfad, auf dem uns vorchristliche Heiligtümer vorgestellt werden. Die Rückfahrt zum Gasthof unterbrechen wir im Informationszentrum in Kammerforst, in dem wir durch eine moderne Präsentation mit reich bebilderten Tafeln und Filmen Näheres über Gegenwart und Vergangenheit des Nationalparks erfahren.

Der dritte Tag ist Besichtigungen vorbehalten. Über Nazza und Mihla fahren wir zur Wartburg-Stadt Eisenach. Erstes Ziel ist das auf einer Anhöhe über den Dächern Eisenachs aufragende monumentale Burschenschaftsdenkmal. Bei einer Führung wird uns die Entstehung und Bedeutung des Bauwerks erläutert. Wir bestaunen im Inneren die imposanten, goldverzierten Deckengemälde, die Fensterglaskunst und die reiche steinplastische Ausstattung. Die sechs Balkone bieten uns einen berauschenden Panoramablick auf den Thüringer Wald, die Hörselberge und Eisenach mit der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Wartburg. Sie thront majestätisch über der Stadt und ist unser nächstes Ziel. Nach mühsamen Aufstieg über viele Treppenstufen erfahren wir zunächst bei einer gemeinsamen Führung Interessantes über ihre Geschichte mit dem Mix aus Romantik, Gotik, Renaissance und Historismus. Anschließend besteht Gelegenheit zur Besteigung des Südturms, zum Besuch der Lutherstube, zum wunderschönen Ausblick von einer Aussichtsplattform und zum individuellen Rundgang im Innenbereich und auf einem Tugendpfad am Fuße der Burg, der am Burgenbauplatz endet, auf dem Handwerkskunst aus der Zeit des Burgbaus präsentiert wird. Am Nachmittag fahren wir dann ins Durchbruchstal der Werra mit seinen imposanten Felsformationen aus Muschelkalk. Kurz vor Creuzburg blicken wir auf ein Ensemble von besonderem Reiz und eindrucksvoller mittelalterlicher Baukunst: Die siebenbogige Werrabrücke, die als besterhaltene Sandsteinbrücke nördlich des Mains gilt, und die ein besonderes Kleinod darstellende, im spätgotischen Stil errichtete Liboriuskapelle. Zum Abschluss besuchen wir die geschichtsträchtige Creuzburg mit Folterkeller, Töpferwerkstatt und interessanten Ausstellungen. Der Burghof mit dem Burgbrunnen, der mittelalterlichen Backstube und der prägenden 500 Jahre alten Sommerlinde sowie der Barockgarten runden das Ensemble ab. Dann wird es Zeit für die „Heimfahrt“, denn das Hainichhaus wartet schon mit seinem schmackhaften Abendessen.

Weitere besondere Erlebnisse erwarten uns am folgenden Tag am Südrand des Hainichs. Zu Beginn informieren wir uns in einer Ausstellung im Wildkatzendorf Hütscheroda über die Lebensweise der scheuen Waldtiere, die wir dann danach in einem Gehege in natura bei einer Fütterung kennen lernen. Ein als Stollen verkleidetes Erdhaus mit großer Glasscheibe und ein Beobachtungsturm ermöglichen es, die Wildkatze aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben. Bei der anschließenden Wanderung auf dem „Wildkatzenpfad“, anfangs auch Teil eines Skulpturenwanderweges, kommen wir vorbei an einem historischen Grenzstein, einer erst 1976 wüst gefallenen Siedlung und der beeindruckenden Baumgestalt einer alten Eiche, der man ihre wechselvolle Geschichte deutlich ansieht. Von einer Aussichtsplattform genießen wir einen Rundumblick mit atemberaubenden Panorama bis zum Inselsberg im Thüringer Wald sowie zur Wartburg und zur Rhön. Weiter geht die Fahrt über Reichenbach und Craula zum Nationalparkzentrum Thiemsburg. Der fast völlig gefüllte große Parkplatz lässt auf einen riesigen Besucheransturm an diesem sonnigen Sonntag schließen. Er verteilt sich aber auf dem weitläufigen Gelände und beeinträchtigt uns nicht. Wir steigen zunächst „dem Urwald auf das Dach“ und begehen den Baumkronenpfad. Wir blicken in großer Höhe vom Baumturm in die Wipfel des Buchenwaldes und darüber hinaus in das Thüringer Becken. An verschiedenen Stationen werden wir über den vielfältigen Lebensraum der Erde und das im Hainich einzigartige Ökosystem aufgeklärt. Im Gebäude des Nationalparkzentrums besuchen wir danach zwei großräumige Erlebnisbereiche. Die „Wurzelhöhle“ präsentiert Skurriles und Wissenswerten aus dem Leben unter der Erdoberfläche und die „Entdeckerausstellung“ informiert mit interaktiven Vorführungen und Modellen über die Besonderheiten des Nationalparks. Eine kleine Gruppe wandert dann vor der „Heimfahrt“ noch auf einem Naturpfad durch das abwechslungsreiche umgebende Waldgebiet u.a. vorbei an der „Alten Eiche“, dem mit 5,45 m dickstem Baum im Nationalpark.

Wehmütig nehmen wir am fünften Tag von unserem Waldgasthof am Hainich Abschied. Da Monatsanfang ist, begrüßen wir den Mai traditionsgemäß mit Gesang. Von unserer netten Wirtin lassen wir noch schnell ein Gruppenfoto schießen und schon bringen uns unsere PkW'en zum „Mittelpunkt Deutschlands“ in Niederdorla. Eine Führung durch die Außenanlagen des „Opfermoores Vogtei“ versetzt uns dort in die Zeit vor 2.000 Jahren zurück. Im originalgetreu rekonstruierten Germanendorf inmitten einer geheimnisvollen Schilflandschaft werden wir an die Riten und Bräuche unserer Vorfahren erinnert. Im Ausstellungspavillon wird die Geschichte dieser Kult- und Opferstelle an Hand von Modellen und vielen im Original gezeigten Exponaten dargestellt. Weiter geht die Fahrt nach Osterode an der Söse, dem Südwest-Tor zum Harz. Ein Stadtrundgang führt uns vorbei an ehrwürdigen Kirchen und mittelalterlichen Fachwerkgebäuden, entlang der alten Stadtmauer und zu vielen anderen Sehenswürdigkeiten. Den Abschluss bildet dann traditionell das gemeinsame Kaffeetrinken, diesmal in entspannter Atmosphäre in einem Restaurant hoch über Osterode. Mit vielen bleibenden Eindrücken fahren wir nach Braunschweig zurück. Dazu hat sicher auch der Wettergott beigetragen. Zwar war es manchmal recht kühl, aber sehr oft schien die Sonne und es fiel kein Tropfen Regen.


Günter Jäger

Bilder: